Strafrecht war schon immer meine große Liebe.
Es gibt kaum einen größer vorstellbaren Konflikt als der zwischen dem Staat und dem Bürger, den der Staat mit dem Ziel führt, den betroffenen Bürger zu bestrafen. Hier sind Krieger gefragt. Hier geht es nicht darum, mit dem Staat und seinen Vertretern "gut zu können" und hier darf es auch nicht darum gehen, dem eigenen Mandanten auf den Leim zu gehen.
Gerade der strafrechtliche Konflikt berührt den Mandanten in besonderer Weise. Wie in jedem Konflikt geht es neben der Frage, wie der andere mich sieht, immer auch darum, wie ich mich selbst sehe. Da im Strafrecht Unwerturteile gefällt werden sollen, fällt es dem Mandanten regelmäßig nicht leicht, dieses Unwerturteil für sich selbst zu akzeptieren. Der Verteidiger, der nicht auch den Kampf mit dem Mandanten sucht, um eine nachvollziehbare Selbstbeurteilung zu erreichen, kann regelmäßig keine guten Ergebnisse erzielen.
Gisela Friedrichsen, die Gerichtsreporterin des SPIEGEL, hat einen Prozess von mir beobachtet. Der link führt Sie zu SPIEGEL-Online, wo Sie den Artikel „Ein bisschen demütigen“ herunterladen können. Ich kann Ihnen die Lektüre trotz meiner vielleicht verzeihlichen Eitelkeit doch guten Gewissens empfehlen: Es ist eine hervorragende Kritik an der Justiz, die sicher keinen Einzelfall betrifft.