Der Case-Manager ist jemand, der eine Situation, die ihm als problematisch geschildert wird, erst einmal betrachtet und analysiert. Er wird den Konflikt, der ihm geschildert wird, noch nicht sofort als das eigentliche Problem nehmen, sondern die Konflikte, die dahinter liegen oder die, die sich aus der Konfliktbewältigung ergeben können, untersuchen und daraus eine Strategie. Zur Lösung des Konfliktes wird der Case-Manager dann selbst Vorschläge unterbreiten und tätig werden oder auch Fachleute empfehlen und/oder beauftragen. Das heißt, dass der Case-Manager dem Mandanten auch helfen kann, den "richtigen" Anwalt zu finden. Der Case-Manager-Anwalt ist also der Allgemeinmediziner, der erst einmal die Diagnose stellt und gebenenfalls zum Facharzt überweist.
Warum sind häufig Anwälte keine guten Konfliktmanager oder gar Case-Manager?
Man kann dies bereits mit dem Selbstverständnis der maßgeblichen Berufsorganisationen erklären: Der Deutsche Anwaltsverein und die Anwaltskammern auf allen Ebenen sind immer noch der Auffassun, dass durch die Einrichtungen der Fachanwaltschaften eine besondere Qualtiätssicherung erreicht worden wäre. Die besonderen Kenntnisse in einem speziellen Rechtsgebiet, was im Endeffekt kaum etwas anderes bedeutet, als besonders vertiefte Kenntnisse zur Rechtsprechung auf diesem Gebiet, soll allein entscheidend sein. Ethische Kriterien nicht. Berufserfahrung - weitgehend irrelevant. Kenntnisse von anderen Konfliktlösungsmodellen - völlig abwegig. Psychologische Kenntnisse oder Kenntnisse in Gesprächsführung, Verhandlungstaktik oder dergleichen - spielt nach Auffassung der Berufsverbände für die Qualitätssicherung keine Rolle.
Es gibt einen weiteren Grund, warum nach meiner Auffassung ein Anwalt viel zu häufig nicht der Problemlöser, sondern der Problembereiter ist: Weil die gesetzliche Gebührenregelung dafür sorgt, dass der Anwalt ein hohes Interesse daran hat, einen Konflikt von der außergerichtlichen Behandlung in einen Gerichsprozess zu überführen. Und weil der Mandant auf Grund der zu Beginn der Beauftragung bereits entstandenen Gebühren schon bald den Anwalt nicht mehr wechseln kann, ohne eine Menge Geld verloren zu haben.
Der Case-Manager oder Konfliktmanager wird auf Stundenhonorarbasis arbeiten. Sie behalten die Kontrolle über die Kosten und allein die Vorstellung, dass Ihnen ein erfahrener Jurist in wenigen Stunden Ihre Situation analysiert hat und Ihnen einen Vorschlag für die Konfliktlösung unterbreitet, dürfte Ihnen deutlich machen, dass die Kosten hier regelmäßig weit hinter dem Nutzen zurückbleiben.
Ich werde für Sie gerne als Case-Manager tätig.
Sie sind Einzelunternehmer. Ihr Unternehmen hat einen Wert von 1.000.000,00 €. Sie wollen das Unternehmen in eine Kapitalgesellschaft einbringen, Ihren Sohn und/oder Ihre Tochter beteiligen, Steuern sparen und Prozesse optimieren. Sie haben aber Probleme, das umzusetzen, weil Sohn oder Tochter ganz eigene Vorstellungen haben, die sich mit den Ihren nicht decken. Außerdem haben Sie sowieso keine Zeit, sich damit wirklich zu beschäftigen, weil Sie 14 bis 16 Stunden am Tag arbeiten.
Beauftragen Sie einen Anwalt ohne jede Einschränkung mit der Lösung des Problems, hat der nach einem ersten Schreiben an Sie, das er in einer viertel Stunde diktiert hat, einen Gebührenanspruch von mehr als 2.000,00 € gegen Sie und zwar weitgehend unabhängig davon, ob in dem Schreiben etwas Sinnhaftes steht oder nicht. Der Anwalt dürfte sich in der Regel von einem Notar einen Entwurf für einen Gesellschaftsvertrag geben lassen, den er dann als eigenen Entwurf weiter gibt. Am Ende lösen das Problem für den Mandanten die Fachleute, der Steuerberater und der Notar. Aber der Anwalt bekommt bei einem Fall wie diesem mindestens 15.000,00 €, deutlich mehr als der Notar, der die Veträge gemacht hat.
Der Case-Manager würde eine gewisse Zeit in dem Bereich aufwenden, wo nach dem RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz) nichts zu verdienen wäre: Wie wirkt sich welche Lösung auf die Beziehungen zu den Kinden, Angestellten, Ehepartnern etc. aus. Dann würde die Aufgabe des Casemanagers darin bestehen, die Fachleute, insbesondere den Steuerberater und den Notar anzuhalten, genau die Sachverhalte in Probleme im Auge zu behalten, die er mit dem Mandanten herausgearbeitet hat. Das Ergebnis der Arbeit dürfte - gleiche Qualifikation vorausgesetzt - immer besser sein, wenn der Anwalt als Case-Manage tätig wird, als wenn er nur einfach als Anwalt beauftragt wird.
Nehmen Sie die aktuellen skandalösen Kündigungsstreitigkeiten, bei denen langjährigen Mitarbeitern aus nichtigem Anlass außerordentlich gekündigt worden ist: Völlig egal, wer da am Ende Recht bekommt - in den Augen der Mitarbeiter hat sich der Arbeitgeber in diesen Fällen immer - zu Recht - disqualifiziert. Subjektiv mag das dem Unternehmen, welches die Kündigung ausgesprochen hat, egal sein. Das Unternehmen ist vermutlich eine Kapitalgesellschaft und hat als solches gar keine subjektiven Wahrnehmungsmöglichkeiten. Objektiv - davon bin ich überzeugt - schadet sich ein Unternehmen aber immer selbst, wenn es gegenüber den Mitarbeitern brutal oder unfair agiert.